Der Fußballgott lebt!

Nach dem ordentlichen, aber gegen Ende etwas zu passiven Auftritt gegen Mainz, der mit zwei späten Gegentoren bestraft wurde, hatte ich den Glauben an die Existenz eines gerechten Fußballgottes fast verloren.
Und nun kam mit dem VfL Wolfsburg auch noch ein Möchtegern-Champions-League-Aspirant ins Weserstadion, sodass sich meine Hoffnung auf einen Befreiungsschlag in überschaubaren Grenzen hielt.
So kann man sich täuschen!

Auf geht’s Werder, kämpfen und siegen!

Jetzt muss ich vor dem heutigen Heimspiel gegen Wolfsburg doch noch mal ein paar Zeilen schreiben. Natürlich war ich wie angekündigt am Mittwoch im Weserstadion und habe unsere Lieblingsmannschaft beim Spiel gegen Mainz mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützt, am Ende war ich heiser, nass und enttäuscht und Werder stand wieder mit leeren Händen da.

Nouri ersetzt Skripnik

Nun ging es dann auf einmal doch alles sehr schnell, nach der Niederlage in Mönchengladbach, noch im Bus auf der Rückreise nach Bremen entlässt Werder seinen Trainer Viktor Skripnik. Trotz der 8-Spiele-Garantie von Baumann konnte mich diese Nachricht am Sonntag morgen nicht überraschen. Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele schlechte Spiele unserer Lieblingsmannschaft gesehen, die erste Halbzeit gegen die Fohlen aus Gladbach war aber wohl der desolateste Auftritt von allen.

Pure Ratlosigkeit

Vor Saisonbeginn dachte ich noch: Hey, was für ein freundliches Auftaktprogramm! Da können wir es den ganzen Nörglern, Grantlern und Schwarzmalern zeigen, die bereits in der Sommerpause eine Trainer- und Führungskräftediskussion entfachen wollten.
Erste Runde DFB-Pokal in Lotte: machbar. Saison-Auftakt in München: wann, wenn nicht zu einem so frühen Zeitpunkt, kann man die Bayern überraschen oder zumindest ein wenig ärgern!? Heimspiel-Debüt gegen Augsburg: mit ordentlicher Leistung und den Fans im Rücken den ersten Dreier der Saison einfahren. Der „Werder-Weg“, mit Leuten zu arbeiten, die eben auch über ein großes grün-weißes Herz verfügen, kann sehr wohl erfolgreich sein!

Keine Trainerdiskussion?

Nach der langen Sommerpause und der in meinen Augen eher langweiligen und fußballerisch sicher nicht besonders hochwertigen Europameisterschaft in Frankreich habe ich mich wirklich auf den Start der neuen Saison gefreut. Natürlich hatte ich auch die letzte Saison noch im Kopf, war aber voller Zuversicht, dass Werder sich in der neuen Spielzeit besser präsentieren würde.
Frank Baumann hat in seinen ersten Monaten als Geschäftsführer Sport auf den ersten Blick einen guten Job gemacht und die Mannschaft sinnvoll verstärkt, den überraschenden Wechsel von Max Kruse an die Weser fand ich super und auch die Verpflichtung der anderen Neuzugänge konnten einen Sinn ergeben.
Einzig die in meinen Augen völlig unnötige frühzeitige Vertragsverlängerung mit unserem Trainer Viktor Skripnik habe ich nicht verstanden.

Werder bleibt erstklassig!

Nach dem Schlusspfiff am Sonnabend bin ich natürlich in grenzenlosen Jubel und tatsächlich auch in Tränen ausgebrochen, dass ich relativ nah am Wasser gebaut bin war mir ja vorher klar, aber ich war nur einer von vielen die in diesem Moment mehr als nur ein wenig Pipi in den Augen hatten. Totaler Wahnsinn, was da los war, für mich war es sicher der emotionalste Werdermoment nach der Meisterschaft 2004. Erst in diesem Moment habe ich wirklich gemerkt wie groß meine Anspannung und wohl auch die Angst vor dem Abstieg in den letzten Wochen gewesen ist und so ging es offensichtlich sehr vielen der Menschen im Stadion.

Mann, habe ich da keinen Bock drauf…

Natürlich ist es wieder so ziemlich komplett anders gekommen, als ich es gehofft, bzw. prognostiziert habe. Werder hat sein Auswärtsspiel in Köln nicht gewonnen und Frankfurt hat sein Heimspiel gegen Dortmund gewonnen, wenigstens war auf Stuttgart mit der Heimniederlage gegen Mainz Verlass. Werder bleibt also bis zum letzten Spieltag ein  Abstiegskandidat, die direkte Rettung, die Relegation und auch der direkte Abstieg sind die Möglichkeiten die vor dem letzten Spiel zuhause gegen Frankfurt bleiben.

Wie geil war das denn?

Ich bin nach dem gestrigen Spiel immer noch total berauscht und  sprachlos, dem entsprechend wird mein heutiger Kommentar zum 6:2 Heimerfolg gegen die Stuttgarter etwas kürzer ausfallen als Ihr es gewöhnt seid.
Die Stimmung im Stadion vor, während und nach dem Spiel war einfach nur großartig, etwas ähnliches habe ich glaube ich zuletzt in der Meistersaison 2004 erlebt.
Das Spiel hatte alles was man sich als echter Fußballfan wünschen kann, Kampf, Leidenschaft, Spannung, Glücks-, Eigen-, kuriose, richtig schön raus gespielte Tore und natürlich das so wichtige  Ergebnis! 6 zu 2 für Werder, Wahnsinn!

Kein Wunder von der Isar, dafür Niederlage an der Elbe!

So, anders als von mir prognostiziert steht Werder weder im Pokalfinale, noch wurde der HSV aus dem eigenen Stadion gefegt. Ehrlicherweise muss ich natürlich zugeben, dass ich nicht wirklich mit einem Erfolg im Pokalhalbfinale gerechnet habe, am Ende haben sich unsere Jungs ganz gut geschlagen und haben es den Bayern nicht leicht gemacht. Nicht gegebenes Werdertor hin und Schwalbe von Vidal her, ich glaube nicht, dass Werder eine ernsthafte Chance hatte das Ticket für Berlin zu lösen. Im Nachhinein betrachtet ist es vielleicht auch ganz gut so, denn am Donnerstag vorm Pokalfinale ist das Relegations-Hinspiel, am folgenden Montag entsprechend das Rückspiel und die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Lieblingsmannschaft dabei sein wird, ist ja nach der Niederlage gegen den HSV nicht gerade geringer geworden.

Der dritte Heimsieg

Wie Ihr Euch ja erinnern könnt war ich nach der letzten Heimniederlage gegen Augsburg ziemlich angefressen und ich muss ehrlich zugeben, dass ich am letzten Sonnabend auf dem Weg ins Stadion immer noch alles andere als optimistisch war. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass unsere Lieblingsmannschaft eine sehr viel bessere Leistung als in der Vorwoche abliefern würde. Auch wenn ich beim Empfang des Mannschaftsbusses an der Rampe zum Stadion nicht dabei war, hatte ich alles in meinem Rahmen Mögliche getan um unsere Jungs zu unterstützen. Ich hatte die Werderfahne rechtzeitig aus dem Fenster gehängt, ich hatte natürlich meinen Werderschal umgebunden, ich trug den geliebten Fishirt-Hoodie und sogar das grün-weiße selbst geknüpfte Armband, ein Geschenk meines neunjährigen Neffen baumelte an meinem Handgelenk. Dieses Armband hatte ich zum ersten Mal beim Augsburgspiel dabei und musste mir da schon den ein oder anderen spöttischen Spruch von meinen Kumpels anhören. Tja, gegen die Fuggerstädter hatte es ja auch nicht wirklich Glück gebracht, wenn wir gegen Wolfsburg auch verloren hätten wäre dieses Schmuckstück wohl auch für ewige Zeiten in einer Schublade verschwunden. Jetzt soll nochmal jemand behaupten ich wäre nicht abergläubisch, im Übrigen hoffe ich sehr, dass mein Neffe diesen Blog nicht liest.